Expertenkommission schlägt radikale Reformen gegen Milliardenlücke im Gesundheitssystem vor
Julian HartmannExpertenkommission schlägt radikale Reformen gegen Milliardenlücke im Gesundheitssystem vor
Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hat weitreichende Reformvorschläge für das Gesundheitssystem vorgelegt, um die drohende Milliardenlücke zu bekämpfen. Die Empfehlungen zielen darauf ab, die Kosten im kommenden Jahr um 42 Milliarden Euro zu senken und – bei vollständiger Umsetzung – bis 2030 sogar um bis zu 64 Milliarden Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken wird die Maßnahmen nun prüfen und innerhalb der Koalitionsregierung einen Kompromiss aushandeln.
Laut dem Bericht der Kommission steht das Gesundheitssystem vor einer eskalierenden Finanzkrise: Das Defizit könnte bis 2027 auf 15 Milliarden Euro anwachsen und bis zum Ende des Jahrzehnts über 40 Milliarden Euro erreichen. Um die Belastung zu verringern, sollen Versicherte und ihre Arbeitgeber im nächsten Jahr jeweils 260 Euro mehr zahlen, bis 2030 wären es jährlich bis zu 680 Euro Aufschlag.
Auch Patienten müssten höhere Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente leisten, was etwa 4 Milliarden Euro einsparen würde. Weitere 12 Milliarden Euro sollen durch Steuergelder aufgebracht werden, die die Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungsempfänger decken.
Die Vorschläge gehen über die direkten Gesundheitskosten hinaus: Geplant sind neue Steuern auf Tabak und Alkohol sowie eine Abgabe von 32 Cent auf zuckerhaltige Getränke. Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaunternehmen sollen durch geringere Vergütungen und Effizienzmaßnahmen 19 Milliarden Euro beisteuern.
Eine bemerkenswerte Empfehlung sieht vor, vor planbaren Knieoperationen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Daten zeigen, dass 85 Prozent der Patienten, die eine Zweitmeinung einholen, sich letztlich gegen den Eingriff entscheiden – was Milliarden an unnötigen Operationen sparen könnte.
Sollten die Reformen umgesetzt werden, könnten sie die Finanzen des Gesundheitssystems in den nächsten zehn Jahren stabilisieren. Die Regierung muss nun entscheiden, welche Maßnahmen sie übernimmt und wie sie Kostensenkungen mit dem Erhalt der Patientenversorgung in Einklang bringt. Gesundheitsministerin Warken wird in den kommenden Monaten die Verhandlungen zur Finalisierung der Änderungen führen.






