Ex-Botschafter in Usbekistan soll Schengen-Visa an Russen verkauft haben
Sebastian VoigtEx-Botschafter in Usbekistan soll Schengen-Visa an Russen verkauft haben
Ein ehemaliger italienischer Botschafter in Usbekistan ist in Rom festgenommen worden, nachdem ihm vorgeworfen wird, ein Visumschieber-Netzwerk betrieben zu haben. Piergabriele Papadia de Bottini di Sant’Agnese soll Schengen-Visa an russische Staatsbürger gegen hohe Geldzahlungen ausgestellt haben. Die Behörden prüfen derzeit Hunderte von Fällen, die mit dem System in Verbindung stehen.
Laut Angaben lief das Netzwerk von Ende 2024 bis 2025, während Papadia an der italienischen Botschaft in Taschkent tätig war. Ermittlern zufolge verlangte er zwischen 4.000 und 16.000 Euro pro Antragsteller für Visa mit einer Gültigkeit von ein bis drei Jahren. Mindestens 95 Russen erhielten trotz fehlender gesetzlicher Voraussetzungen Einreiseerlaubnisse.
Drei russische Reisebüros sollen an der Abwicklung des Systems beteiligt gewesen sein. Die Behörden haben Unregelmäßigkeiten in den Visumakten festgestellt und untersuchen etwa 400 damit zusammenhängende Fälle. Auch Tatiana Tarakanova, eine russisch-italienische Doppelte Staatsbürgerin, steht wegen ihrer mutmaßlichen Rolle unter Ermittlung.
Papadia war bereits im Dezember 2025 von seinem diplomatischen Posten suspendiert worden, bevor er am 7. Mai 2026 verhaftet wurde. Die Staatsanwaltschaft sowie die italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza durchsuchen nun sein Vermögen, das auf rund drei Millionen Euro geschätzt wird.
Die Ermittlungen dauern an, während die Behörden das volle Ausmaß des Visabetrugs aufklären. Papadia sieht sich Vorwürfen der Korruption und Amtsmissbrauchs gegenüber; weitere rechtliche Schritte werden erwartet. Der Fall wirft Fragen zur Integrität der Schengen-Visumvergabe auf.






