Entwicklungshilfe im Umbruch: NGOs fordern mehr Qualität und lokale Mitbestimmung
Charlotte RichterEntwicklungshilfe im Umbruch: NGOs fordern mehr Qualität und lokale Mitbestimmung
Zwei große deutsche Nichtregierungsorganisationen haben ihren Jahresrückblick zur Entwicklungspolitik des Landes vorgestellt. Am Mittwoch präsentierten Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes in Berlin ihre Einschätzung. Zwar begrüßten sie aktuelle Kurswechsel in der Politik, kritisierten jedoch das Fehlen einer klaren Strategie in den Reformplänen der Regierung.
Die Organisationen lobten zwar die grundsätzliche Neuausrichtung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), warnten jedoch, dass die Vorschläge von Ministerin Reem Alabali-Radovan an Kohärenz mangeln und zentrale Herausforderungen nicht ausreichend angehen. Mogge betonte, dass wirksame Entwicklungshilfe von Qualität und nicht von bloßer Menge abhängt. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Unabhängigkeit für zivilgesellschaftliche Gruppen.
Beide Vertreter unterstrichen, wie wichtig es ist, die Entwicklungszusammenarbeit an den lokalen Bedürfnissen auszurichten. Sie warnten, dass wirtschaftliche Partnerschaften nur dann funktionieren können, wenn Berlin eigene Interessen mit denen der Partnerländer in Einklang bringt. Hofert bestand darauf, dass Reformen nicht von Berlin aus diktiert werden dürfen, sondern von Anfang an Partnerstaaten, lokale Gruppen und junge Menschen einbeziehen müssen.
Die NGOs wiesen zudem auf wachsende Belastungen für die Entwicklungspolitik hin. Krisen, Konflikte und der Klimawandel setzen die Ressourcen unter Druck und erfordern schnellere, flexiblere Lösungen. In ihrem Bericht betonten sie, dass Hilfe neutral, unabhängig und bedarfsorientiert bleiben muss – statt von Sicherheits- oder politischen Zielen geleitet zu werden.
Mogge plädierte für mehr Mittel zur Prävention und nicht nur für Nothilfe. Die Organisationen forderten eine deutliche Aufstockung des Budgets und schlagen für das kommende Jahr 2,8 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe vor – eine Steigerung gegenüber den derzeitigen einer Milliarde Euro.
Die NGOs verlangten vom BMZ, die Zivilgesellschaft aktiv in die Gestaltung der Reformen einzubinden. Ohne frühzeitige und verbindliche Beteiligung drohten die Veränderungen, so ihre Argumentation, an den realen Bedürfnissen vorbeizugehen. Der Bericht formuliert klare Erwartungen, wie Deutschland seine Entwicklungszusammenarbeit in einer zunehmend instabilen Welt verbessern kann.
