Der verrückte Plan: Wie Queer-Aktivisten 1970 ein County übernehmen wollten
Charlotte RichterDer verrückte Plan: Wie Queer-Aktivisten 1970 ein County übernehmen wollten
1970 sorgte die Los-Angeles-Abteilung der Gay Liberation Front mit einem kühnen und provokanten Vorhaben für Schlagzeilen: Fast 500 schwule Männer und lesbische Frauen sollten in den Alpine County in Kalifornien umgesiedelt werden, um die lokale Regierung zu stürzen. Das Projekt zielte darauf ab, einen ländlichen Rückzugsort für queere Menschen zu schaffen – doch es wurde nie umgesetzt.
Die Idee einer schwul-lesbischen Utopie stammte von Don Jackson, einem Aktivisten für queere Rechte und Journalisten. Er behauptete, die Vision sei ihm im Traum gekommen. Inspiriert begann die Gay Liberation Front, Vorräte anzulegen und Verhandlungen über Landerwerb im Alpine County zu führen.
Der Organisator Don Kilhefner bezeichnete den sogenannten Alpine-Plan später als eine medienwirksame Aktion. Auf einer Pressekonferenz 1970 skizzierte er die Strategie: eine legale Ansiedlung etablieren, einen Rücktritt der County-Regierung erzwingen und die Ämter ausschließlich mit Homosexuellen besetzen. Sogar Aufklärungstrupps wurden losgeschickt, um die Eignung des Gebiets zu prüfen.
Der Vorschlag löste im Alpine County Empörung aus. Ein lokaler Vertreter warnte vor einer „feindseligen Aufnahme“, falls die Gruppe eintreffen würde. Trotz des Widerstands erhielt die Geschichte nationale Aufmerksamkeit und rückte die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in den Fokus.
Letztlich kam die Übernahme nie zustande. Doch der Plan erreichte sein Ziel: Er lenkte die Medienberichterstattung auf die LGBTQ+-Bewegung. Der Alpine-Plan blieb ein theoretischer Protest statt einer tatsächlichen Umsiedlung. Er zwang die Gesellschaft, sich mit queerer Diskriminierung auseinanderzusetzen, und prägte so den Kampf um Sichtbarkeit und Rechte der LGBTQ+-Community nachhaltig.






