Condor zwischen Rettung und ungewisser Zukunft nach Thomas-Cook-Pleite
Sebastian VoigtCondor zwischen Rettung und ungewisser Zukunft nach Thomas-Cook-Pleite
Der Kollaps von Thomas Cook 2019 stürzte Condor in finanzielle Turbulenzen und löste eine der komplexesten Luftfahrtrettungen Deutschlands aus. Die neue Podcast-Serie Gedankenflüge beleuchtet nun den holprigen Weg der Airline – vom 550-Millionen-Euro-Rettungspaket der Regierung bis hin zu ihrer ungewissen Zukunft unter dem britischen Investor Attestor. Mit drängenden Fristen und ohne klaren Käufer in Sicht steht Condor bis September 2026 vor einer entscheidenden Bewährungsprobe.
Vor der Pleite von Thomas Cook war Condor eine profitable Airline und hatte zwischen 2008 und 2019 kumulierte Gewinne von 530 Millionen Euro erwirtschaftet. Doch als das Mutterunternehmen zusammenbrach, verschwand das Bargeld über Nacht – die Airline saß in einem gemeinsamen Liquiditätspool fest. Die deutsche Regierung sprang mit einem 550-Millionen-Kredit der KfW ein, strukturiert als Überbrückungshilfe, während ein Käufer gesucht wurde.
Die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT, über ihre Muttergesellschaft PGL, stand 2020 kurz vor der Übernahme von Condor. Die Transaktion platzte jedoch in letzter Minute wegen der COVID-19-Pandemie. Der britische Investor Attestor stieg 2021 mit einer Mehrheitsbeteiligung ein und stabilisierte die Airline unter einem staatlich gestützten Schutzschirm. 2024 und 2025 beförderten Condor und ihre Tochter Marabu zusammen über 11 Millionen Passagiere und erzielten einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro.
Der ursprüngliche Plan umfasste eine Flottenerneuerung, ein frisches Markenimage und Expansion – sogar den Aufbau eines eigenen Zubringernetzwerks nach der Trennung von Lufthansa. Attestor strebte eine vollständige Privatisierung an, wobei die staatlichen Kredite bis Ende 2026 zurückgezahlt werden sollten. Doch trotz Fortschritten ist bis zur aktuellen Frist kein Käufer aufgetaucht. Attestor sucht nun über die Barclays Bank nach einem strategischen Minderheitsinvestor, behält sich aber die Option vor, die verbleibenden 49 Prozent der Anteile zu übernehmen.
Im Podcast Condor Deep Dive werden die finanziellen Verstrickungen der Rettung analysiert – von senioren und nachrangigen Kredittranchen bis hin zu den ergebnisabhängigen Earn-out-Mechanismen, die an die Performance der Airline geknüpft sind. Gleichzeitig wird ein strukturelles Problem deutlich: Attestor, als britisches Unternehmen, könnte kaum die langfristige Lösung sein, die sich Deutschland vorgestellt hat.
Condors Überleben hängt davon ab, bis 2026 einen stabilen Eigentümer zu finden. Operativ hat sich die Airline erholt, doch ihre finanzielle Zukunft bleibt an unverhandelte Verhandlungen und Attestors nächsten Zug gebunden. Ohne klare Exit-Strategie könnte das 550-Millionen-Risiko der Regierung – und die mühsam erkämpfte Erholung der Airline – noch immer scheitern.






