CDU leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein
Julian HartmannCDU leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein
Eine aktuelle Studie zeigt, dass lokale Politiker in Deutschland zunehmend mit der rechtsextremen AfD auf kommunaler Ebene zusammenarbeiten. Zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 waren bei fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Abstimmungen direkte Kooperationen zwischen anderen Parteien und der AfD zu beobachten. Die Erkenntnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die CDU in Hessen disziplinarische Maßnahmen gegen Mitglieder einleitet, die sich in Biebesheim am Rhein mit der AfD verbündet hatten.
In Biebesheim am Rhein reichten Vertreter von CDU und AfD eine gemeinsame Liste für die Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister ein. Ihr Vorschlag war eine Reaktion auf eine gemeinsame Kandidatur von SPD, Grünen und Freien Wählern, die zusammen 17 der 31 Sitze im Stadtrat halten. Als die ursprüngliche Liste abgelehnt wurde, überarbeiteten die beiden Parteien ihren Antrag – mit dem Ergebnis, dass der AfD-Kandidat Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand gewählt wurde.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen eine Position als stellvertretender Bürgermeister für seine Partei gefordert, die acht Sitze hält, während die AfD über sechs Sitze verfügt. Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau hat inzwischen Ausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder eingeleitet. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer bestätigte, die Entscheidung sei endgültig, und kündigte an, dass "weitere Schritte" geprüft würden.
Hessens CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte das Vorgehen und bezeichnete es als richtig, "sofort und konsequent" auf lokaler Ebene zu handeln. Die Partei beschrieb die gemeinsame Abstimmung als "offensichtlich spontan und unabgestimmt", betonte jedoch ihre klare Haltung gegen jede Zusammenarbeit mit der AfD. Die WZB-Studie zeigte zudem, dass vor allem parteilose Gemeinderäte und Mitglieder kleinerer Parteien mit der AfD kooperierten.
Die Ausschlussverfahren der CDU signalisieren eine harte Linie gegen die Zusammenarbeit mit der AfD – selbst auf kommunaler Ebene. Da fast jede fünfte inhaltliche Abstimmung parteiübergreifende Kooperationen aufwies, deutet die Studie darauf hin, dass solche Bündnisse immer häufiger werden. Der Fall Biebesheim am Rhein könnte nun zum Präzedenzfall dafür werden, wie etablierte Parteien künftig auf ähnliche Situationen reagieren.






