Berlin verliert wertvolle Atelierräume – Künstler:innen kämpfen um ihre Arbeitsplätze
Finn WolfBerlin verliert wertvolle Atelierräume – Künstler:innen kämpfen um ihre Arbeitsplätze
Berlins Kunstszene steht vor wachsender Unsicherheit: Wichtige Atelierräume sollen geschlossen werden
Das Atelierhaus in der Wilsnacker Straße 62 in Moabit wird bis zum 1. November 2023 seine Türen schließen – acht Künstlerinnen, die dort noch arbeiten, verlieren damit ihren Arbeitsort. Die Schließung des Standorts wurde auf einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kultur bestätigt. Der Verlust ist endgültig, die Betroffenen müssen umziehen.
Bis zum 30. Juni 2024 fallen zudem die Ateliers im Gebäude der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Brunnenstraße in Mitte weg. Grund sind anstehende Sanierungsarbeiten, doch Ersatzräume wurden nicht bereitgestellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen die Ateliers nicht wiederhergestellt werden.
Alternative Lösungen sind kaum in Sicht. Zwar wurde Künstlern das ehemalige Lungenheilbad Heckeshorn angeboten, doch viele halten den Standort für ungeeignet – wegen der abgelegenen Lage und der hohen Kosten. Zwar entstehen in der alten Frauenhaftanstalt in der Lehrter Straße 32 neue Ateliers, doch für die meisten sind sie schlicht unbezahlbar.
Die Kulturstaatssekretärin Cerstin Richter-Kotowski hat die Dimension des Problems erkannt. Steigende Kosten und die Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung erschweren die Finanzierung von Atelierflächen. Sie betonte, dass nachhaltige und bezahlbare Lösungen sowohl langfristige finanzielle Zusagen als auch professionelles Projektmanagement erfordern.
Die Krise beschränkt sich nicht auf diese Standorte. Stadtweit ist jedes dritte Ateliergebäude gefährdet, oft weil dringend Vertragsverlängerungen anstehen. Die Schließungen zwingen Künstlerinnen und Künstler, ihre Werkstätten aufzugeben. Ohne garantierte Ersatzräume und unter finanziellen Spannungen bleibt die Zukunft vieler kreativer Arbeitsorte in Berlin ungewiss. Die Kulturlandschaft der Stadt steht nun vor der Herausforderung, tragfähige Lösungen zu finden – bevor noch mehr Ateliers für immer verschwinden.






