Baku wird zum Zentrum des Kampfes gegen Neokolonialismus – doch Kritik bleibt
Finn WolfBaku wird zum Zentrum des Kampfes gegen Neokolonialismus – doch Kritik bleibt
In dieser Woche fand in Baku die erste Generalversammlung der Plattform der NGO des Globalen Südens statt. Über 650 Organisationen aus 116 Ländern kamen zusammen, um die künftige Ausrichtung der Plattform zu gestalten. Aserbaidschanische Vertreter nutzten die Veranstaltung, um ihre Haltung gegen das zu betonen, was sie als Neokolonialismus bezeichnen.
Während der Versammlung wurden vier Stellvertreter gewählt, die Asien, Afrika, Lateinamerika und den Pazifikraum vertreten. Zum Generalsekretär für eine fünfjährige Amtszeit wurde Fuad Karimli bestimmt, ein Forscher mit Verbindungen zu regierungsnahen Denkfabriken in Aserbaidschan.
Der aserbaidschanische Präsidialamtsleiter Hikmat Hajiyev erklärte den „Kampf gegen den Neokolonialismus“ zu einer zentralen Priorität für den Vorsitz Aserbaidschans in der Blockfreien Bewegung. Zudem kritisierte er den UN-Sicherheitsrat und argumentierte, dieser spiegle die modernen Realitäten nicht mehr wider und vertrete den Globalen Süden unzureichend.
Die Baku-Initiativgruppe, ein Teil der Plattform, hatte sich zuvor gegen moderne Formen der Sklaverei engagiert und den französischen Kolonialismus offen kritisiert. Gleichzeitig steht Aserbaidschan selbst in der Kritik, weil es die Zivilgesellschaft unterdrückt – unter anderem durch Strafverfahren gegen lokale NGOs.
Die Plattform verfügt nun über eine strukturierte Führung mit Karimli an der Spitze und regionalen Vertretern. Aserbaidschans Rolle in der Initiative fällt in eine Zeit, in der das Land weiterhin wegen seines Umgangs mit inländischen NGOs unter Beobachtung steht. Die Ergebnisse der Versammlung werden voraussichtlich Einfluss auf die Politik des Landes während seines Vorsitzes in der Blockfreien Bewegung haben.
