Aserbaidschan verschärft Social-Media-Kontrollen für Minderjährige drastisch
Julian HartmannAserbaidschan verschärft Social-Media-Kontrollen für Minderjährige drastisch
Das Parlament Aserbaidschans hat einen neuen Gesetzentwurf geprüft, der die Kontrolle über die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige verschärft. Die geplanten Regelungen verbieten Kindern unter 16 Jahren die Eröffnung von Konten auf großen Plattformen und verlangen für Nutzer zwischen 16 und 18 Jahren die Zustimmung der Eltern. Plattformen, die sich nicht daran halten, drohen hohe Geldstrafen oder sogar eine vollständige Sperrung im Land.
Der am Montag diskutierte Entwurf richtet sich gegen Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok, X und Snapchat. Diese Unternehmen werden verpflichtet, ein lokales Büro oder eine Niederlassung in Aserbaidschan zu eröffnen, um legal operieren zu dürfen. Bestehende Konten müssen einer Altersüberprüfung unterzogen werden – nicht bestätigte Profile werden gelöscht.
Für Nutzer zwischen 16 und 18 Jahren führt das Gesetz strengere Sicherheitsvorkehrungen ein, darunter Beschränkungen bei Inhalten und Werbung sowie Einschränkungen bei der Standortfreigabe. Die Regierung hat den Zugang zu TikTok in Schulen bereits eingeschränkt, was Teil der umfassenderen Bestrebungen für strengere Online-Kontrollen ist.
Der Menschenrechtsanwalt Yalchin Imanov kritisierte die unklare Formulierung des Gesetzes, insbesondere die Definition „gefährlicher Themen“. Zudem bemängelte er das Fehlen einer öffentlichen Anhörung während des Entwurfsprozesses. Imanov warnte, die Maßnahmen könnten den Zugang zu alternativen Informationsquellen einschränken und die Online-Freiheiten weiter bescheiden.
Bei Nichteinhaltung drohen harte Strafen: Plattformen riskieren Geldbußen zwischen 100.000 Manat (rund 59.000 US-Dollar) und 300.000 Manat (etwa 180.000 US-Dollar) sowie eine mögliche Sperrung in Aserbaidschan.
Der vorgeschlagene Gesetzentwurf markiert eine deutliche Wende im Umgang mit sozialen Medien in Aserbaidschan. Plattformen müssen künftig das Alter ihrer Nutzer überprüfen, strengere Inhaltsregeln durchsetzen und eine lokale Präsenz aufbauen. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, muss mit finanziellen Sanktionen oder einer vollständigen Abschaltung der Dienste im Land rechnen.






