Apotheken kämpfen trotz Rekordangebot an pharmazeutischen Dienstleistungen mit Verlusten
Julian HartmannApotheken kämpfen trotz Rekordangebot an pharmazeutischen Dienstleistungen mit Verlusten
Deutsche Apotheken bieten mehr vergütete pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) an als je zuvor – doch viele kämpfen weiterhin damit, kostendeckend zu arbeiten. Eine neue Studie zeigt: Mehr als die Hälfte macht bei zentralen Angeboten wie Bluthochdruck-Risikochecks Verluste. Trotz steigender Nachfrage bleiben die niedrigen Vergütungssätze und hohen Kosten die meisten Dienstleistungen wirtschaftlich unrentabel.
Seit der Einführung der pDL-Vergütung im Jahr 2015 ist die Zahl der in Apotheken erbrachten Leistungen stetig gestiegen. Nach 2020 beschleunigte sich das Wachstum weiter, auch wenn die genauen Zahlen für 2026 noch nicht vorliegen. Doch die erhöhte Abrechnungsmenge schlägt sich für die meisten Anbieter nicht in Gewinnen nieder.
Besonders deutlich wird das Problem bei den Bluthochdruck-Risikobewertungen, für die netto 11,20 Euro pro Check gezahlt werden. Über 50 Prozent der Apotheken geben an, mit diesen Untersuchungen Verluste zu machen – nur etwa jede dritte Apotheke erwirtschaftet damit einen Überschuss. Die Freie Apothekerschaft bestätigt, dass Apotheken zwar über das nötige Fachwissen verfügen, die aktuellen Vergütungssätze ihre Aufwendungen jedoch selten decken.
Neben der unzureichenden Bezahlung kämpfen Apotheken mit Personalmangel, hohem bürokratischem Aufwand und Platzengpässen. Spannungen mit anderen Gesundheitsberufen verschärfen die Situation zusätzlich. Gleichzeitig liegen 537 Millionen Euro, die für pDL-Leistungen vorgesehen sind, ungenutzt brach – ein Betrag, den Gesundheitsministerin Nina Warken umwidmen und in die allgemeine Apothekenförderung fließen lassen möchte. Die Studie warnt jedoch, dass dies die finanzielle Schieflage bei spezifischen Dienstleistungen weiter verschärfen könnte.
Die Ergebnisse untermauern die Forderungen des Deutschen Apothekerverbands nach höheren und nachhaltigen pDL-Vergütungssätzen. Ohne Anpassungen, so das Fazit des Berichts, sei die langfristige flächendeckende Versorgung mit diesen Leistungen gefährdet.
Die Untersuchung macht deutlich: Zwischen der wachsenden Nachfrage nach pDL-Dienstleistungen und der wirtschaftlichen Realität in den Apotheken klafft eine große Lücke. Solange sich die Vergütung nicht verbessert und betriebliche Hürden nicht abgebaut werden, werden viele Apotheken weiterhin Verluste mit essenziellen Angeboten machen. Die Politik steht nun unter Druck, die Finanzierungsstrukturen zu reformieren, um die Zukunft des Programms zu sichern.