AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 8. Mai und stellt Schuldkultur infrage
Sebastian VoigtAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 8. Mai und stellt Schuldkultur infrage
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hielt eine umstrittene Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die seit langem etablierten Perspektiven auf die historische Erinnerung nach 1945 und die nationale Identität infrage.
Anlässlich des Gedenktages bezeichnete Tillschneider die berühmte Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 als eine „geistige Kapitulation“. Er kritisierte, Deutschland habe in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eine „absurde Schuldkultur“ und ein „imaginäres Kollektivschuldgefühl“ entwickelt. Seiner Ansicht nach hätten sich die Deutschen im Nachhinein auf die Seite der Sieger geschlagen, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen.
Die totale militärische Niederlage von 1945 bezeichnete er als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Zwar räumte er die Befreiung vom NS-Regime ein, deutete die Folgen jedoch nicht als historischen Neuanfang, sondern als Verlust. Seine Vision einer „normalen deutschen Identität“ stützte er auf ein Zitat von Franz Josef Strauß, der vor einer „ewigen Vergangenheitsbewältigung als dauernder Buße“ gewarnt hatte.
Tillschneider ging noch einen Schritt weiter und suggerierte, der politische Kurs der AfD führe nicht in eine „stolze Zukunft“, sondern berge die Gefahr, Deutschland in eine geistige Isolation zurückzuführen. Seine Aussagen spiegelten eine grundsätzliche Kritik an der Art und Weise wider, wie das Land seit 1945 mit seiner Geschichte umgeht.
Die Rede unterstrich die tiefen Gräben in der deutschen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Tillschneiders Ablehnung der etablierten Narrative von Schuld und Niederlage stellt ihn in direkten Widerspruch zu den vorherrschenden Deutungen der Nachkriegszeit. Seine Äußerungen dürften die Debatte über historische Erinnerung und nationale Identität weiter anheizen.






