25 April 2026, 14:07

Zufit Simon bricht mit The Fight Club ihre feministische Tanztradition

Eine Gruppe von Männern in traditioneller Kleidung tanzt mit erhobenen Armen vor einer Menge, mit einem Buch in der Mitte des Rahmens.

Zufit Simon bricht mit The Fight Club ihre feministische Tanztradition

Die Choreografin Zufit Simon wird am 23. April im Rahmen des Best OFF Festivals für Independent-Theater in Hannover ihr neuestes Werk The Fight Club uraufführen. Das Stück markiert eine kühne Wende in ihrer künstlerischen Ausrichtung – hin zu Kampf und maskuliner Energie. Simon, bekannt für ihren feministischen Fokus, stellt seit Jahrzehnten Erwartungen an den zeitgenössischen Tanz infrage.

Geboren 1980 in Israel, lebt Simon seit 25 Jahren in Deutschland. Ihre Karriere begann in München, wo sie 2002 mit Turm zu Babel der Company CobosMika debütierte. Ihr frühes Solo fleischlos gewann 2005 den dritten Preis als bestes deutsches Tanzsolo bei der euroscene Leipzig.

Im Laufe der Jahre stand in Simons Werk vor allem die Auseinandersetzung mit Frauen und als weiblich gelesenen Performern im Mittelpunkt. Ihr Stück Radical Cheerleading aus dem Jahr 2024 erforschte körperlichen Protest und wurde mit dem Best OFF Festival-Preis ausgezeichnet. Die Mutterschaft vertiefte ihre feministischen Themen und führte sie zu Experimenten mit unchoreografierter Bewegung, Stimmarbeit und technischer Verzerrung.

Ihr Stil verzichtet auf traditionelles Erzähltheater und setzt stattdessen auf kühle, aber nicht sterile Ästhetik. Romantische Spektakel sucht man vergeblich, doch ihre Stücke bewahren stets die Freude an der Bewegung. Simon lebt davon, Erwartungen zu unterlaufen – oft stiftet sie bei ihrem Publikum gezielt Verwirrung.

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Trotz ihres Erfolgs prägten auch Rückschläge ihre Laufbahn: 2016 strich das Niedersächsische Ministerium für Kunst und Kultur ihre Förderung. 2024 musste das LOT Theater, wo viele ihrer Werke uraufgeführt wurden, wegen Insolvenz schließen. Durchgehend konnte sie auf die Unterstützung der artblau Tanzwerkstatt von Dietrich Oberländer in Braunschweig zählen.

The Fight Club bricht nun neues Terrain auf – mit einer Hinwendung zu Kampf und maskuliner Attitüde. Diese Abkehr folgt auf eine Karriere, die sie zwischen München, Braunschweig und Berlin führte, geprägt von Kooperationen mit Koproduzenten und Künstlerkollegen.

Simons aktuelles Werk entsteht in einer Phase, in der sie ihre künstlerische Stimme weiter neu definiert. 2025 erhielt sie mit nur 45 Jahren den Münchner Tanzpreis für ihr Lebenswerk. Mit The Fight Club eröffnet sie das Best OFF Festival und festigt ihren Ruf als furchtlose Innovatorin der zeitgenössischen Performance.

Quelle