Viljandi sagt Baltic Pride ab – und spaltet die Kulturstadt
Viljandi, eine südestnische Stadt mit etwa 17.000 Einwohnern, hat die Genehmigung für eine Baltic Pride-Veranstaltung verweigert. Die Entscheidung betraf lediglich die Präsentation eines regenbogenfarbenen Stoffes, doch die Organisator:innen kritisieren, dass damit eine schädliche Botschaft an LGBT-Bürger:innen gesendet werde. Die für ihr kulturelles Erbe bekannte Stadt sieht sich nun mit Forderungen konfrontiert, ihre Haltung zu überdenken.
Die Stadtregierung unter Führung von Bürgermeister Jaak Pihlak und einer konservativen Koalition aus Isamaa und EKRE blockierte die Veranstaltung. Offizielle Begründungen lauteten, sie entspreche nicht den Erwartungen der Gemeinschaft und sei für Kinder ungeeignet. Eva-Maris Küngas, eine der Organisatorinnen, bestätigte diese Argumentation.
Viljandi pflegt seit Langem den Ruf einer offenen, kreativen und musikalischen Stadt. Sie ist Austragungsort des Viljandi Folk Music Festival und beherbergt die Viljandi-Kulturakademie der Universität Tartu. Kritiker:innen werfen der Stadt jedoch vor, mit der Absage diesen Ruf zu beschädigen, indem LGBT-Bürger:innen wie Außenseiter behandelt würden.
Die Entscheidung traf nicht eine anonyme Bürokratie, sondern lokale Politiker:innen. Gegner:innen der Absage argumentieren, sie suggeriere, dass die Würde von LGBT-Kindern von offizieller Billigung abhänge. Sie fordern die Stadt auf, ihre Haltung zu revidieren und klarzustellen, dass öffentliche Räume allen Bürger:innen gehören.
Die Weigerung hat eine Debatte über Viljandis Werte und Inklusivität ausgelöst. LGBT-Menschen, ihre Familien und Unterstützer:innen leben und arbeiten längst in der Stadt. Der Ausgang dieses Streits wird zeigen, wie die Stadt künftig zwischen Tradition und Gleichberechtigung vermittelt.






