Ulrike Nasse-Meyfarth kritisiert mangelnde Anerkennung ostdeutscher Sportler nach der Wiedervereinigung
Sebastian VoigtUlrike Nasse-Meyfarth kritisiert mangelnde Anerkennung ostdeutscher Sportler nach der Wiedervereinigung
Ulrike Nasse-Meyfarth, zweifache Olympische Goldmedaillengewinnerin für die Bundesrepublik Deutschland, hat sich gegen die Behandlung ostdeutscher Sportlerinnen und Sportler ausgesprochen. Sie kritisierte, was sie als „Ignoranz und Arroganz“ des westdeutschen Sportestablishments bei der Aufarbeitung der Sportgeschichte bezeichnet.
Nasse-Meyfarth warf der Erinnerungskultur Westdeutschlands vor, die Leistungen ostdeutscher Athletinnen und Athleten unfair zu vernachlässigen. Sie betonte, dass Diskussionen oft nur auf Dopingskandale und Stasi-Verbindungen reduziert würden, während die Erfolge ostdeutscher Sportlerinnen und Sportler ignoriert würden. Diese einseitige Perspektive habe viele Olympische Champions aus der DDR das Gefühl gegeben, nicht gewürdigt zu werden.
Zudem wies sie auf eine Doppelstandards bei der Doping-Thematik hin: Während die staatlich organisierten Programme der DDR verurteilt würden, bleibe das gezielte individuelle Doping westdeutscher Athletinnen und Athleten vor der Wiedervereinigung oft unerwähnt.
Die ehemalige Hochspringerin ging noch einen Schritt weiter und erklärte, die Bundesrepublik habe nach der Wiedervereinigung eine Chance verpasst. Ihrer Meinung nach hätte die Übernahme des ostdeutschen Nachwuchsfördersystems den Leistungsabfall Deutschlands im Sport verhindern können. Das Versäumnis, diese Methoden zu integrieren, spiegle eine generelle mangelnde Anerkennung der sportlichen Spitzenleistungen der DDR wider.
Nasse-Meyfarths Äußerungen lenken den Blick auf die seit langem bestehenden Gräben im deutschen Sport. Sie besteht darauf, dass ostdeutsche Sportlerinnen und Sportler für ihre Erfolge mehr Respekt verdienen. Die Debatte wirft zudem Fragen auf, wie die deutsche Sportgeschichte erinnert wird – und welche Lehren daraus hätten gezogen werden können.






