Tunnelbohr-Pionier warnt: Deutschlands Bürokratie erstickt die Zukunft
Charlotte RichterTunnelbohr-Pionier warnt: Deutschlands Bürokratie erstickt die Zukunft
Martin Herrenknecht, Chef der Herrenknecht AG, warnt drastisch vor Deutschlands wirtschaftlicher Zukunft
Der Vorstandsvorsitzende des weltführenden Herstellers von Tunnelbohrmaschinen sieht das Land durch überbordende Bürokratie und veränderte Arbeitsmentalitäten in eine Krise steuern. Das in Schwanau ansässige Unternehmen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter weltweit und war an Großprojekten wie dem Gotthard-Basistunnel und Stuttgart 21 beteiligt.
Herrenknecht beschreibt Deutschland als in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen – unfähig, sich schnell genug an den globalen Wettbewerb anzupassen. Als Beispiel nennt er ein geplantes Logistikzentrum in Baden-Württemberg, das bereits dreieinhalb Jahre im Genehmigungsverfahren feststeckt, während ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, innerhalb von nur drei Monaten bewilligt wurde. Solche Verzögerungen seien Ausdruck einer „erdrückenden Bürokratie“, die ihn heute daran hindern würde, sein eigenes Unternehmen zu gründen.
Kritik übt der Manager auch an dem, was er als unrealistische Forderungen junger Fachkräfte wahrnimmt. Anforderungen wie Sabbaticals oder umfangreiche Homeoffice-Regelungen seien Ausdruck einer „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“. Ohne dringende Reformen steuere Deutschland „direkt gegen die Wand“.
Die Herrenknecht AG beherrscht den Weltmarkt für Tunnelbohrmaschinen und spielt eine Schlüsselrolle bei Europas größten Infrastrukturvorhaben. Doch selbst mit diesem Erfolg warnt der Unternehmenslenker, dass regulatorische und kulturelle Hürden in Deutschland die langfristige Wettbewerbsfähigkeit untergraben.
Die Äußerungen Herrenknechts fallen in eine Phase, in der sein Unternehmen trotz der heimischen Herausforderungen international weiterwächst. Doch die Verzögerungen bei Projektgenehmigungen und die veränderten Erwartungen der Belegschaft stellen konkrete Risiken für die industrielle Stärke Deutschlands dar. Seine Warnungen deuten darauf hin, dass ohne beschleunigte Entscheidungsprozesse und einen Mentalitätswandel die Position des Landes als führende Industrienation weiter schwächen könnte.






