Russland kämpft mit massivem Fachkräftemangel und setzt auf heimische Lösungen
Sebastian VoigtRussland kämpft mit massivem Fachkräftemangel und setzt auf heimische Lösungen
Russland steht vor einem massiven Arbeitskräftemangel und plant, in den nächsten sieben Jahren 12,2 Millionen Beschäftigte zu ersetzen. Duma-Präsident Wjatscheslaw Wolodin fordert, statt auf ausländische Arbeitskräfte zu setzen, die Produktivität zu steigern und heimische Fachkräfte besser auszubilden. Dieser Appell kommt zu einer Zeit, in der verschärfte Migrationsgesetze und sich wandelnde globale Wettbewerbsbedingungen die Arbeitsmarktlandschaft des Landes verändern.
Der Bedarf an neuen Arbeitskräften entsteht vor allem durch Renteneintritte und wirtschaftliches Wachstum. Von den 12,2 Millionen zu besetzenden Stellen entfallen 11,7 Millionen auf altersbedingte Abgänge, während 500.000 neu geschaffene Positionen zu besetzen sind. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote Russlands mit 2,2 % auf einem historischen Tiefstand – was den Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck setzt.
Die Migrationspolitik hat sich bereits deutlich gewandelt. Seit 2023 führen strengere Regelungen zu einem Rückgang ausländischer Arbeitskräfte, insbesondere aus zentralasiatischen Ländern wie Usbekistan und Tadschikistan. Viele von ihnen wechseln stattdessen in die Golfstaaten, wo sie bessere Chancen sehen. Stand März 2026 stellen Migranten zwar weiterhin nur 13–15 % der Beschäftigten im Bausektor, doch ihre Herkunftsländer verschieben sich. Zunehmend werden Arbeitskräfte aus Indien, Bangladesch und Vietnam angeworben. Allein aus Indien kamen bis Anfang 2026 rund 22.000 Arbeiter ins Land, bei einer monatlichen Nachfrage von bis zu 15.000 Anträgen zu Jahresbeginn.
Die Regierung hat die Kontrolle über Zuwanderer verschärft. Gesetzesvorlagen für verpflichtende medizinische Untersuchungen von Migranten haben im Staatsduma bereits die erste Lesung passiert. Schulen verlangen von Kindern mit Migrationshintergrund nun Russischprüfungen. Zudem wurden 22 bundesweite Migrationsgesetze verabschiedet, um einen strengeren rechtlichen Rahmen zu schaffen.
Wolodin warnt seit Langem davor, in ausländischen Arbeitskräften eine einfache Lösung zu sehen. Stattdessen betont er, das Ansehen handwerklicher Berufe zu stärken und in heimische Ausbildungsprogramme zu investieren, um den künftigen Bedarf zu decken.
Russlands Arbeitsmarkt steht an einem Wendepunkt: Der Fokus liegt darauf, Millionen Arbeitsplätze durch heimische Fachkräfteausbildung zu besetzen. Strengere Migrationsgesetze und veränderte Rekrutierungsmuster aus dem Ausland prägen die Umstrukturierung der Belegschaften. Die Prioritäten der Regierung gelten nun der Steigerung der Produktivität und der beruflichen Bildung, um die Lücken zu schließen.






