19 April 2026, 07:01

Russland bestraft Hundertfache für angebliche Respektlosigkeit gegenüber Putin

Sowjetische Propaganda-Plakat mit einem roten Stern, Text, Zahlen und anderen Gegenst├Ąnden.

Russland bestraft Hundertfache für angebliche Respektlosigkeit gegenüber Putin

Russische Gerichte haben Hundert Menschen wegen Online-Kommentaren bestraft, die als respektlos gegenüber Präsident Wladimir Putin eingestuft wurden. Seit 2019 wurden mindestens 391 Verfahren gegen Personen eingeleitet, die in Beiträgen, Nachrichten oder Äußerungen den Staatschef thematisiert hatten. Die Repressionswelle ist Teil eines umfassenderen Musters verschärfter Kontrollen im Land.

Die Strafen trafen eine breite Palette von Menschen – von Studierenden und Reinigungskräften bis hin zu Betreibern kleiner Telegram-Kanäle. Die Geldbußen variieren, liegen aber meist zwischen 340 und 570 Euro, in einigen Fällen steigen sie auf bis zu 2.850 Euro. Einer der ersten dokumentierten Fälle ereignete sich 2019, als ein Mann etwa 340 Euro Strafe zahlen musste, weil er Putin als "Narren" bezeichnet hatte. Seither wurden selbst geringfügige oder versehentliche Äußerungen ahndet.

Auf der Krim wurde ein Student zu einer Strafe von 570 Euro verurteilt, nachdem er sich in einem Zufalls-Chat über den Präsidenten falsch geäußert hatte. Eine andere Frau auf der Halbinsel musste einen ähnlichen Betrag zahlen, weil sie ein gefälschtes Simpsons-Video geteilt hatte, das Putin verspottete. Unterdessen erhielt eine Schulreinigungskraft in Stawropol eine Strafe von 570 Euro, nachdem eine Kollegin ihre privaten Nachrichten an die Polizei weitergeleitet hatte.

Das Ausmaß der Verfolgung wird an den Zahlen deutlich: Nur sechs der 391 Fälle wurden zur erneuten Prüfung an die Polizei zurückverwiesen. Weitere 28 wurden wegen verstrichener Fristen oder mangelnder Beweise eingestellt. Die überwiegende Mehrheit endete jedoch mit Geldstrafen – selbst Kleinstcontent-Ersteller waren betroffen. Ein Hersteller von Angelködern mit nur 15 Telegram-Abonnenten musste 340 Euro zahlen, weil er in grober Sprache über Putin gesprochen hatte.

Die Sanktionen sind Teil einer umfassenderen Offensive, um rechtliche, ideologische und technologische Kontrollen in Russland zu verstärken. Die Behörden überwachen zunehmend digitale Räume und nutzen Geldstrafen, um Kritik oder vermeintliche Respektlosigkeit gegenüber Staatsvertretern einzudämmen. Die Fälle zeigen, wie selbst beiläufige oder unbeabsichtigte Äußerungen zu finanziellen Konsequenzen führen können. Mit 379 Verurteilungen seit 2019 gibt es keine Anzeichen für eine Lockerung der Repression. Die Maßnahmen zementieren ein System, in dem Kritik – egal wie klein – spürbare Folgen nach sich zieht.

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