"Richiii!" – Wie ein Schweizer Familienmoment zum unkontrollierten Meme wurde
Sebastian Voigt"Richiii!" – Wie ein Schweizer Familienmoment zum unkontrollierten Meme wurde
Ein Jahrzehnte altes Viralvideo eines Schweizer Jungen, der von einem Bagger fällt, entfacht eine neue Debatte über Privatsphäre und kommerzielle Nutzung
Der "Richi"-Meme, der den fünfjährigen Richi Schömbächler und den panischen Ruf seines Vaters zeigt, wurde in der Schweiz zum kulturellen Phänomen. Nun wehrt sich die Familie gegen die weitverbreitete Ausbeutung des Clips ohne ihre Zustimmung.
Der Ursprung des Memes liegt im Jahr 2010, als der Schweizer Rundfunk SRF in der Sendung Auf und davon die Auswanderung der Familie Schömbächler nach Kanada dokumentierte. In einer Szene stürzt der kleine Richi von einem Bagger, woraufhin sein Vater Hermann ruft: "Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!" Das Video ging viral, wurde auf YouTube Millionenfach in verschiedenen Versionen aufgerufen und weiterverbreitet.
Mit der Zeit entwickelte sich der Moment zu einer Vermarktungsmaschinerie: Es gab Socken, Bügelaufkleber und sogar ein Kinderbuch mit dem Motiv. 2022 veröffentlichte die Schweizer Band Stubete Gäng einen Song namens Richi, in dem der Bagger-Sturz und Hermanns Ausruf verarbeitet wurden. Selbst der Schweizer Eishockeyverband nutzte die Audioaufnahme als Torhymne – bis die Familie Einspruch erhob.
Die Schömbächlers mieden jahrelang die Öffentlichkeit, um ihre Kinder vor unerwünschter Aufmerksamkeit zu schützen. Doch der Meme hielt sich hartnäckig, weshalb sie sich nun gegen die unautorisierte Verwendung ihres Bildes und ihrer Stimmen zur Wehr setzen. Stubete Gäng kündigte an, den Song ohne Hermanns Stimme neu aufzunehmen. Gleichzeitig verkauft das Unternehmen Swissmeme weiterhin Richi-Produkte und verweist auf laufende Gespräche mit SRF über die Nutzungsrechte des Originalmaterials.
SRF besitzt zwar Teilrechte am Clip, doch die Familie behält die Persönlichkeitsrechte an ihren Bildern und Stimmen. Der Streit zeigt das Spannungsfeld zwischen viralem Ruhm und dem Recht, die eigene Geschichte zu kontrollieren.
Die Intervention der Schömbächlers hat bereits Wirkung gezeigt: Der Eishockeyverband verzichtet mittlerweile auf den Meme als Hymne, und Stubete Gäng passte ihren Song an. Dennoch bleiben kommerzielle Produkte mit Bezug zum Clip im Handel – die Debatte ist damit noch lange nicht beendet. Der Fall verdeutlicht, vor welchen Herausforderungen Familien stehen, wenn private Momente zu öffentlichem Eigentum werden.






