Neues Online-Portal enthüllt historische Dokumente zu Rechtsextremismus in Deutschland
Charlotte RichterNeues Online-Portal enthüllt historische Dokumente zu Rechtsextremismus in Deutschland
Ein neues Online-Portal bietet ab sofort kostenlosen Zugang zu historischen Dokumenten über rechtsextreme Strömungen in Deutschland. Der Zeitraum von 1945 bis 2000 wird abgedeckt, mit dem Ziel, Forschung, Schulen und die politische Bildung zu unterstützen. Fachleute haben die Materialien gesichtet und analysiert, um aufzuzeigen, wie sich extremistische Strategien im Laufe der Zeit gewandelt haben.
Das unter radikale-rechte.de abrufbare Portal enthält Propagandatexte, gewaltverherrlichende Aufrufe sowie Materialien, die gezielt junge Menschen beeinflussen sollten. Über 30 Expertinnen und Experten haben die Dokumente mit Anmerkungen versehen, um historische Zusammenhänge und Hintergründe verständlich zu machen.
Zwischen 1945 und 2000 vollzog sich in der deutschen Rechtsextremismus-Szene ein Wandel: von offener neonazistischer Propaganda hin zu verschlüsselteren nationalistischen Botschaften. Anfangs richteten sich die Aktivitäten vor allem an enttäuschte Kriegsheimkehrer und Jugendliche, verbreitet über underground Flugblätter und rechtsextreme Rockmusik – insbesondere in den Kreisen der NPD und der Skinhead-Szene der 1970er- bis 1990er-Jahre. Mit der Wiedervereinigung lag der Fokus zunehmend auf antieinwanderungsfeindlicher Rhetorik. Nach dem Jahr 2000 kamen digitale Strategien hinzu, bei denen Gruppen wie die AfD soziale Medien nutzten, um islamfeindliche Narrative und "Remigrations"-Forderungen zu verbreiten – oft knapp unter der Schwelle eines Verbots.
Herausgegeben wird das Projekt von Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), und Prof. Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (MMZ). Ihre Arbeit zeigt, wie sich extremistische Taktiken über Jahrzehnte hinweg an politische und technologische Veränderungen anpassten.
Das Portal dient als wichtige Ressource, um die Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland nachzuvollziehen. Durch den offenen Zugang zu kommentierten historischen Quellen unterstützt es Forscherinnen und Forscher, Lehrkräfte sowie die interessierte Öffentlichkeit dabei, vergangene und aktuelle Strategien zu analysieren. Die Materialien stehen online allen zur Verfügung, die sich mit dem Thema beschäftigen.






