Mainz will 2027 die gelbe Tonne zurückbringen – doch es gibt Hürden und Kritik
Julian HartmannMainz will 2027 die gelbe Tonne zurückbringen – doch es gibt Hürden und Kritik
Mainz treibt die Pläne voran, bis zum 1. Januar 2027 das System der "gelben Tonne" für das Recycling wieder einzuführen. Mit dem Schritt sollen Plastiktütenabfälle reduziert und die Mülltrennung in der gesamten Stadt verbessert werden. Die Umstellung könnte jedoch zusätzliche Kosten für Eigentümer:innen und logistische Herausforderungen für die Anwohner:innen mit sich bringen.
Die Stadt hatte bereits 2019 beschlossen, das bisherige System der gelben Säcke durch Tonnen zu ersetzen, doch das Vorhaben stockte, nachdem ein Verwaltungsgericht die Pläne blockierte. Das Urteil verlangte ein Vollservice-Modell für die Abfuhr, das der aktuelle Dienstleister BellandVision nicht anbietet. Dessen Vertrag läuft Ende 2024 aus, und eine neue Vereinbarung für das Tonnensystem steht noch aus.
Die Kommunale Abfallwirtschaft Mainz (KAW) hat inzwischen eine neue Ausschreibung gestartet, um einen anderen Anbieter zu finden. Sollte auch der nächste Auftragnehmer den Vollservice ablehnen, müssten die Bürger:innen die Tonnen möglicherweise selbst an den Straßenrand bringen. Derzeit verteilen sich bei der alle zwei Wochen stattfindenden Abholung lose Abfälle und aufgerissene Säcke auf den Straßen.
Die Erfahrungen benachbarter Städte sind gemischt: In Eppstein, Bad Soden und Teilen des Main-Taunus-Kreises wurde das System der gelben Tonne nach fünf Jahren wieder abgeschafft – unter anderem wegen geringer Zufriedenheit und der Ankündigung des Dualen Systems Deutschland (DSD), die freiwilligen Sammlungen 2026 einzustellen. Dagegen haben Städte wie Bochum, Wiesbaden und Potsdam – wo 2025 die erweiterte "Gelbe Tonne+" eingeführt wird – bereits auf Tonnen umgestellt, wenn auch mit bescheidenen Erfolgen: In Potsdam belief sich der Mehrertrag beim Recycling auf nur 60 Tonnen jährlich, weit unter dem möglichen Potenzial von 700 Tonnen.
Kritiker:innen wie BellandVision argumentieren, dass Tonnen die Mülltrennung verschlechtern und den Restmüll erhöhen. Eine Studie des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2018 zeigte, dass Deutsche im Schnitt jährlich rund 9 Kilogramm Abfall falsch entsorgen, wenn Säcke verwendet werden – bei Tonnen sind es sogar 17 Kilogramm.
Ob die Einführung 2027 gelingt, hängt davon ab, ob ein Anbieter gefunden wird, der das geforderte Vollservice-Modell erfüllt. Andernfalls müssten die Anwohner:innen das Rollen der Tonnen selbst übernehmen. Ob Mainz sein Ziel – weniger Plastikmüll und höhere Recyclingquoten – erreicht, wird davon abhängen, diese Hürden zu überwinden.






