Duolingo drängt mit Lobbyarbeit in den Milliarden-Deal für britische Sprachtests
Finn WolfDuolingo drängt mit Lobbyarbeit in den Milliarden-Deal für britische Sprachtests
Das britische Innenministerium hat seinen 816-Millionen-Pfund-Vertrag für Englisch-Sprachtests aktualisiert und ermöglicht damit ab Dezember 2025 auch Online-Prüfungen für Migranten. Die Änderung ebnet dem Sprachlernanbieter Duolingo den Weg, sich um den Auftrag zu bewerben. Michael Lynas, der UK-Chef des Unternehmens, begrüßte die Entscheidung als Fortschritt für digitale Testformate.
Duolingo gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Zuschlag, nachdem das Innenministerium die Vorgaben für Präsenzprüfungen gelockert hat. Kritiker warnen jedoch, dass die Umstellung das Risiko von Täuschungsversuchen erhöhen und die Grenzsicherheit schwächen könnte. Innenstaatssekretär Mike Tapp räumte diese Bedenken ein, blockierte die Reform aber nicht.
Das Unternehmen pflegt enge Kontakte zur Regierung: 2025 traf der Wirtschaftsminister Lord Stockwood Duolingo-Vertreter, um über "kommerzielle Chancen in Großbritannien" zu sprechen. Auch Bildungsministerin Bridget Phillipson teilte sich bei einer Labour-Veranstaltung zur Zukunft der Bildung die Bühne mit Lynas.
Zu Duolingos Lobbyarbeit gehört die Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Global Counsel, die vom ehemaligen Labour-Minister Peter Mandelson geführt wird. 2024 nahm Mandelson an einer Londoner Konferenz zu Universitäten unter einer Labour-Regierung teil – neben ihm waren Lord Blunkett und Baroness Cavendish anwesend. Der Einfluss des Unternehmens zeigt sich auch in sozialen Medien, wo Minister mit dem Duolingo-Maskottchen posierten und Behörden seine Dienste beworben haben.
Die Entscheidung des Innenministeriums bereitet Duolingo den Weg für einen lukrativen Testvertrag. Trotz Warnungen vor möglichen Betrugsfällen sollen die Online-Prüfungen im Dezember 2025 starten. Durch gezielte Lobbyarbeit und politische Vernetzung hat sich das Unternehmen als Favorit für den Deal positioniert.






