Connecticut führt strenge KI-Regulierung gegen Bundeswiderstand ein
Sebastian VoigtConnecticut führt strenge KI-Regulierung gegen Bundeswiderstand ein
Connecticut ist der jüngste US-Bundesstaat, der umfassende KI-Regulierungen verabschiedet hat – und setzt sich damit über Bundesaufrufe nach lockerer Aufsicht hinweg. Der unter dem Namen SB5 bekannte Gesetzentwurf wurde am 1. Mai 2023 sowohl vom Repräsentantenhaus als auch vom Senat gebilligt; Gouverneur Ned Lamont kündigte an, ihn in Kürze in Kraft zu setzen.
Das Gesetz führt strenge Vorschriften für KI-Entwickler, Arbeitgeber und Ersteller von Chatbots ein, wobei zentrale Maßnahmen zwischen 2026 und 2027 schrittweise in Kraft treten. Die Regelungen zielen auf verschiedene Anwendungsbereiche von KI ab. Ab dem 1. Oktober 2026 gelten für Arbeitgeber neue Transparenzpflichten: Sie müssen offenlegen, wann automatisierte Systeme bei Einstellungen oder Personalauswahl zum Einsatz kommen. Zudem dürfen Unternehmen solche Tools nicht länger als Rechtfertigung in Diskriminierungsfällen anführen.
Für KI-Entwickler schreibt das Gesetz Sicherheitsauflagen vor. Firmen, die an fortschrittlichen „Frontier“-Modellen arbeiten, müssen interne Sicherheitsprogramme einrichten und Whistleblower schützen, die auf Risiken hinweisen. Eine weitere Bestimmung verlangt, dass generative KI-Systeme mit über einer Million Nutzern C2PA-konforme Herkunftsstandards einführen, um die Ursprünge von Inhalten nachverfolgen zu können.
Chatbots, die darauf ausgelegt sind, emotionale Bindungen zu Nutzern aufzubauen, unterliegen ab Januar 2027 verschärften Kontrollen. Diese „KI-Begleiter“ müssen spezifische ethische Standards erfüllen. Das Gesetz sieht zudem einen regulatorischen Testraum sowie eine Arbeitsgruppe vor, die die Umsetzung begleiten soll – das erste Treffen muss bis zum 31. August 2026 stattfinden.
Connecticuts Schritt folgt ähnlichen Initiativen in Kalifornien, Colorado und anderen Bundesstaaten. Die Gesetze entstehen trotz einer von der Trump-Regierung erlassenen Exekutivverfügung, die Staaten aufforderte, auf strenge KI-Regulierung zu verzichten. Das Büro von Generalstaatsanwalt William Tong hat deutlich gemacht, dass es KI als zentralen Durchsetzungsbereich betrachtet – SB5 liefert dafür nun neue Instrumente.
Aufgrund des gestaffelten Zeitplans werden sich die Änderungen in den kommenden drei Jahren entfalten. Arbeitgeber, Entwickler und Chatbot-Hersteller müssen sich bis zu den Fristen 2026 und 2027 auf die Einhaltung der Vorschriften vorbereiten. Connecticuts Vorgehen unterstreicht den wachsenden Schwung auf Bundestaatenebene für KI-Governance, während die Bundesregierung noch keine klare Linie erkennen lässt.






