Batteriespeicher-Projekte scheitern an überlasteten Netzen und Bürokratie
Julian HartmannBatteriespeicher-Projekte scheitern an überlasteten Netzen und Bürokratie
Großprojekte für Batteriespeicher in Deutschland kämpfen mit massiven Verzögerungen bei der Sicherung bezahlbarer Netzanbindungen. Branchenexpert:innen warnen, dass überlastete Netze, unterbesetzte Netzbetreiber und unklare Vorschriften den Fortschritt ausbremsen. Immer lauter werden nun Forderungen nach einem strukturierteren Vorgehen, um das Verfahren zu beschleunigen und zu verhindern, dass wirtschaftlich tragfähige Projekte blockiert werden.
Viele Projektentwickler:innen berichten von langen Wartezeiten und hohen Kosten, wenn sie Batteriespeichersysteme an die Verteilnetze anschließen wollen. Dabei spielen diese Anlagen eine Schlüsselrolle für die Stabilisierung der erneuerbaren Energieversorgung und die Entlastung der Stromnetze. Doch wie Nadine Bethge vom Branchenverband bne erklärt, lehnen Netzbetreiber – die über ein Monopol verfügen – oft wirtschaftlich sinnvolle Vorhaben wegen Kapazitätsengpässen ab.
Leandra Boes von Green Flexibility verweist auf mangelnde Abstimmung zwischen Speicherbetreiber:innen und Netzbetreibern. Ihr Unternehmen hat mit dem Konzept "Regiolink" standardisierte Verträge entwickelt, die auf verschiedene Netztypen zugeschnitten sind und Bürokratie abbauen sollen. Sowohl Boes als auch Bethge sind sich einig: Das aktuelle System ist ineffizient und kann den steigenden Bedarf nicht bewältigen.
Bethge fordert einen verbindlichen nationalen Rahmen für die Netzanbindung großer Speicherprojekte. Ohne klarere Regeln, so ihre Warnung, könnten Netzbetreiber weiterhin Projekte blockieren, die eigentlich die Netzstabilität stärken würden. Boes ergänzt, dass eine engere Zusammenarbeit – etwa durch flexible Anschlussvereinbarungen, die sich an den lokalen Netzbedingungen orientieren – die Pattsituation durchbrechen könnte.
Die Verzögerungen gefährden Deutschlands Bestrebungen, das erneuerbare Energiesystem stabiler zu machen. Standardisierte Verträge und eine bessere Kooperation zwischen Industrie und Netzbetreibern könnten die Anbindungsprozesse beschleunigen. Ohne Veränderungen, so die Expert:innen, drohen selbst gut geplante Speicherprojekte in der Planungsphase stecken zu bleiben.






